Oligophrenie ICD

Unter der Intelligenz versteht man im Wesentlichen die geistigen Fähigkeiten eines Menschen in ihrer dynamischen und potenziellen Bedeutung bzw. deren kognitive Möglichkeiten. Um von einer durchschnittlichen, überdurchschnittlichen oder auch unterdurchschnittlichen Intelligenz – der so genannten Intelligenzminderung – zu sprechen, geht man von einem durchschnittlichen IQ von 85 – 115 aus. Beträgt der IQ eines Menschen lediglich 70 – 84, so spricht man in der Psychologie und der Medizin von einer Lernbehinderung. Erst dann, wenn eine stehengebliebene oder eine unvollständige Entwicklung der geistigen Fähigkeiten vorliegt, die sich beispielsweise in einer verminderten Kognition, einer verminderten Sprache oder einer verminderten sozialen und motorischen Fähigkeit manifestiert, spricht man von einer Intelligenzminderung.

Welche Stufen der Intelligenzminderung gibt es?

Aber auch dann, wenn eine Intelligenzminderung vorliegt, so gibt es dabei verschiedene Formen, die folgendermaßen unterteilt sind:

F70 – Leichte Intelligenzminderung (IQ 50 – 69)
F71 – Mittelgradige Intelligenzminderung (IQ 35 – 49)
F72 – Schwere Intelligenzminderung (IQ 20 – 34)
F73 – Schwerste Intelligenzminderung (IQ < 20)

Dabei werden die Stufen der Intelligenzminderung in Anlehnung an die Definitionen der WHO folgendermaßen dargestellt:

Die Borderline-Intelligenz oder Lernbehinderung

Diese Form der Intelligenzminderung wird mit einem IQ von 70 bis maximal 84 angegeben und stellt auch mehr als nur eine Abweichung in Standard-Form dar, denn immerhin sind hiervon etwas mehr als 15 Prozent der Bevölkerung betroffen. Trotzdem wird diese Form in der Codierung nach ICD – 10 nicht explizit in gesonderter Form aufgeführt, denn die Patienten lernen lediglich langsamer und können sich den Lernstoff im Unterricht somit zwar schwieriger aneignen, mit einer entsprechenden Förderung aber durchaus eine gute bis sehr gute Schul- und Berufsbildung erhalten.

Die leichte Intelligenzminderung

Die leichte Intelligenzminderung wird auch als leichte geistige Behinderung bezeichnet und ist in der ICD 10 – Codierung unter F10 enthalten. Personen, die unter einer solchen leichten Intelligenzminderung leiden, besitzen in der Regel einen IQ zwischen 50 und 69. Sie sind aber durchaus in der Lage, bis zu einem gewissen Grad zu lernen und ihren Alltag zu meistern, denn diese Patienten können trotz ihrer Behinderung immer noch einen Grundschulabschluss bzw. einen Abschluss auf diesem Niveau erwerben, allerdings meist erst in einem Alter von 18 bis 19 Jahren. Somit besitzen Personen mit eben dieser geistigen Differenz das Intelligenzalter eines 9jährigen bis maximal 12jährigen Kindes. Die Prävalenz beträgt hier immerhin noch 2,5 Prozent. Eine solche Intelligenzminderung bedeutet in erster Linie Schwierigkeiten im Aneignen verschiedener Kenntnisse, sowie beim Denken und Handel bzw. bei der Alltagsbewältigung. Trotzdem sind die Patienten in Förderschulen schulbildungsfähig, was nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass zu dieser Minderung der Intelligenz auch eine Unreife in emotionaler und sozialer Hinsicht treten kann. Das bedeutet, dass die jeweiligen Betroffenen in der Regel nicht den Anforderungen einer Kindererziehung oder einer Ehe ohne Hilfe nachkommen können. Früher wurde die Erkrankung mit dem Begriff der Debilität bezeichnet.

Intelligenzminderung mittleren Grades

Die Intelligenzminderung in mittlerer Schwere trägt die Codierung F71 und geht mit einem IQ von 35 bis maximal 49 der betroffenen Patienten einher. Als erwachsene Personen haben diese Menschen in der Regel das Intelligenzniveau eines 6jährigen bis 9jährigen Kindes, so dass hier eine deutliche Entwicklungsverzögerung diagnostiziert werden kann. Mit speziellen und umfassenden Förderungsmöglichkeiten ist trotzdem eine geringe Schulbildung an entsprechenden Förderschulen möglich, die eine Ausrichtung auf Menschen mit geistigen Behinderungen aufweisen. Auch als Erwachsene können diese Patienten in geschützten Bereichen schreiben, lesen und auch arbeiten. Die Prävalenz beträgt 0,4 Prozent. Der früherer Krankheitsbegriff lautet Imbezillität.

Schwere Intelligenzminderung

Die schwere Intelligenzminderung trägt die Codierung F72 und äußert sich unter anderem in einem IQ zwischen 20 und 34. Das Intelligenzalter dieser Patienten als erwachsener Person beträgt lediglich drei bis maximal 6 Jahre, eher darunter, so dass diese Patienten nicht in der Lage sind, lesen oder schreiben zu lernen und auch keine Möglichkeit der Schulbildungsfähigkeit besteht. Trotzdem sind die Patienten so genannt lebenspraktisch bildbar, wenn die Möglichkeit eines Besuch einer entsprechenden Fördereinrichtung besteht. Eine dauernde Lebensunterstützung ist nötig, die Prävalenz beträgt 0,3 Prozent. Früher wurde die Erkrankung als schwere Imbezillität bezeichnet.

Schwerste Intelligenzminderung

Die schwerste Form der Intelligenzminderung oder auch die schwerste geistige Behinderung trägt die Codierung F73 und geht mit einem IQ von weniger als 20 einher. Dabei wird selbst im Erwachsenenalter lediglich ein Intelligenzalter von 3 Jahren erreicht, so dass eine hochgradig eingeschränkte Kontinenz und Beweglichkeit sowie ein hochgradig eingeschränktes Sprachvermögen besteht. Damit einher geht auch eine vollständige Unmöglichkeit einer Schulbildung oder einer eigenständigen Lebensführung. Die Prävalenz beträgt 0,04 Prozent. Früher wurde diese Form der Intelligenzminderung auch als Idotie bezeichnet.

Geistige Behinderung ohne Spezifikation bzw. ohne nähere Angaben

Als letzte Form und der Vollständigkeit halber sollte hier noch die geistige Behinderung ohne näher Spezifikation bzw. ohne nähere Angaben genannt werden. Diese wird gemäß der ICD-10-Klassifikation als “Intelligenzminderung ohne nähere Angaben” und mit der Codierung F79 geführt. Diese wird allerdings nur dann genutzt, wenn auf Grund einer schweren Verhaltensstörung oder auf Grund einer schweren körperlichen Behinderung ein Intelligenztest nicht durchführbar ist.

Oligophrenie ICD
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Kurzfassung

zur Einteilung der Intelligenzminderung nach ICD